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650 Jahre Ersterwähnung Lateinschule

Grußwort - Herr Prof. Dr. Klüsener

Verehrte Festgäste, liebe ehemalige Mitschüler und Abiturienten,

mir ist die Ehre wiederfahren, Sie für den Abiturientenjahrgang 1955 und meine Mitschüler zugleich herzlich zu begrüßen.

Ich darf dieses Grußwort für 10% der hier gefeierten Historie sprechen;
wir haben vor 65 Jahren das Abitur abgelegt, unsere Schule ist heute 650 Jahre (also zehn mal so viel) alt geworden.

So sind wir denn zu 10% am Schicksal unserer Schule, den Nest, aus dem wir flügge geworden sind, beteiligt.

Civitus aevi futuri den Bürgern einer glücklichen Zukunft ...

Solange ich denken kann, schwebte dieses Motto als Wunsch und Mahnung über uns Schülern, begleitet von unseren verehrten Lehrern, die damals noch fehlerllos Latein lehrten, ohne Spickzettel. Wir dagegen mit kleinen Übersetzungshilfen, niemand kennt noch die Heftchen "von einem Schulmann" ?!

Sie sind alle längst im Orkus der lateinischen Geschichte vergangen.

Die nicht ganz legalen "Lehrmittel" haben uns über manchen Berg geholfen. In den modernen Fächern mußten wir einfach aus eigener Kraft büffeln.

Ich spreche für den Absolventenjahrgang 1955, der erstaunlich groß geraten war. Immerhin haben in fünf Klassen alle hundert Schüler erfolgreich abgeschlossen, davon fünf Abiturienten mit der Note "mit Auszeichnung".

Ein großer Teil unserer Schulkameraden wanderte dann aus, in den anderen Teil unsrer Heimat und hat dort zum Teil das Abitur wiederholt.

Aus vielen verschiedenen Gründen nahmen viele andere Abiturienten ein Studium in Berlin, Greifswald, Halle oder anderswo auf, soweit erinnerlich waren alle Fachrichtungen vertreten.

Viele mußten 1989 ihre ursprüngliche Berufstätigkeit aufgeben oder sich verändern und eine neue Existenz aufbauen.

Aber dies ist nun auch schon über 25 Jahre her und für die jüngeren Jahrgänge nicht selbst erlebte Geschichte.

Womit wir nun wieder bei dem eigentlichen Anlaß unseres Zusammentreffens sind. Es lohnt sich, einen Blick rückwärts zu werfenm in unsere schöne Schulzeit und auf unsere Lehrer, denen wir so viel zu verdanken haben.

Auch ein Blick vorwärts lohnt sich in eine hoffentlich glücklichere Zukunft, die wir uns und unsere Schule wünschen und auch, daß nicht nur das Bauwerk unserer Schule lange alsein Wahrzeichen für Humanität und edles Streben stehen möge.

Heute denken wir mit Dankbarkeit an unsere Lehrer, Frau Lange, Herrn Studienrat Kuh, Herrn Oberstudienrat Paule Meier, Frau Schubert-Rennefahrt, die Diefenbachs, meinen Vater und andere.

Auch sie sind vergangen, aber nicht vergessen.

Dieses Schicksal wird uns, die wir das 75'e oder 76'e Lebensjahr erreicht haben, auch irgend wann oder ganz plötzlich treffen, aber bis dahin: gaudeamus igitur juvenes dum sumus!

Schließlich haben wir schon das 130. Semester geschafft.

Laßt uns in Verehrung für unsere Lehrer und Altforderen mit einer Prise Stolz sagen: wir waren Schüler dieser Bildungsstätte, auch wir können sagen, wir sind dabei gewesen.

Laßt uns deshalb der Devise - civibus aevi futuri - hinzufügen: per aspera as astra, oder wie Fontane in seinem Roman Stine (8. Kapitel) sagen läßt: "Höre Polizien, komme mir nicht so. Fang nicht wieder die alten Geschichten an" und Polzien antwortet: "I, wo werd ich denn, ich meine ja blos ..."

wenn wir alte Geschichten anfangen, tun wir dies um daraus zu lernen, denn daraus zu erkennen ist das größte Geschenk, das wir gewinnen können.