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650 Jahre Ersterwähnung Lateinschule

Grußwort - Frau Heinrich

Liebe ehemaligen Schulkameraden, besonders aus meiner Klasse, der ehemaligen 12a, Abiturjahr 1957

Über meinem Auftritt hier könnte die Überschrift stehen: eine Urgroßmutter erinnert sich ihrer Schulzeit! Da meine beiden Kinder 26 und 38 Jahre später an derselben Schule ihr Abitur abgelegt haben, habe ich immer vergleichen können und meine Erinnerungen verklärten sich dadurch nie. Meine 4 Jahre Fontane-Oberschule schufen eine gute Grundlage für mein ganzes Leben. Wir hatten aber auch Glück, weil wir viele ältere und erfahrene Lehrer hatten, die reaktiviert worden waren, denn Neulehrer fehlten 1953. Ich denke an Herrn Hemme, aber auch an Mutti Diefenbach, die es verstand, uns Mathe nahe zu bringen und einen guten Nachfolger in Herrn Ramin am Schinkelgymnasium fand. Und ihren Mann Charly, Zeichnen war für mich weniger erbaulich, weil ich absolut talentfrei bin, aber die Merkmale klassischer Baukunst habe ich auf meinen Reisen immer gewußt.

Oder Hugo Rausch und Ferdi Lorenz, der ein exzellenter Vorgänger von Herrn Schurz war. Die ganze Familie hat mit Begeisterung in ihren Chören gesungen. Für uns sollte das Highlight ein Auftritt im Schlossgarten - ehemaliges Offizierskasino der Sowjets - sein, wo wir die Kantate "Eisenhüttenkombinat Ost" uraufgeführt haben, die heute niemand mehr kennt, genau so wenig wie das Kombinat noch besteht. Aber in Erinnerung geblieben sind uns die "4 Jahreszeiten" von Haydn, von denen wir Teile aus dem Frühling und Herbst gesungen haben mit Solisten aus der Staatsoper. Für meinen Sohn war dann das Highlight ein Auftritt in der Staatsoper vor Honecker und Arafat im FDJ-Hemd. Für meine Tochter war der absolute Höhepunkt der Flug nach Kansas und dortigen Chorauftritten und der Abstecher nach Chicago, der 1. Trip in die große weite Welt. So haben sich die Zeiten geändert!!!

Da waren aber auch Lehrer, denen wir Niespulver ins Klassenbuch gestreut haben, weil sie vor jeder Stunde das Klassenbuch rauf und runter schnüffelten, wer denn in der nächsten Scbulstunde vorne stand. Oder unsere Russischlehrerin, die Russin und Tänzerin war. Ich lernte zwar kein russisch, aber das lag wohl mehr an mir, aber sie erkläre uns, wie Mädchen zu sitzen hatten. Und meine Tochter hatte das Glück, russisch abwählen zu können und legte eine Abi- Prüfung in Französisch ab. Oder Physik, wir baten unseren Lehrer, bei einem Versuch, bei dem die Funken flogen, doch mal die Hand dazwischen zu halten. Er zeigte uns einen Vogel und sagte: "ein Schlag und ich steh im Hemde." Ob wir Respekt hatten vor ihnen, hing ganz vom Lehrer ab. Das blieb immer so, aber geändert hat sich der Zeitgeist und Ansprüche der Schüler. Wir machten in 4 Jahren 4 Klassenfahrten: in den Rheinsberger Schlosspark, zur Probebühne vom Bert-Brecht-Theater und zur Archenhold- Sternwarte in Berlin und in die Jugendherberge nach Röbel, und wir haben jedes mal was gelernt dabei. Heute muss es oft das Ausland sein.

Ausgelassen habe ich die politischen Veränderungen, die sich auf die Zulassung zur Oberschule und auf bestimmte Studienfächer auswirkten. so musste mein Sohn 3 Jahre als Soldat an die Grenze, um studieren zu können, und meine Tochter konnte frei wählen, wo und was sie studieren wollte und legte ihr deutsches und kanadisches Diplom ab. Schön, dass sich die Zeiten geändert haben und schön, dass es unsere gute alte Schule noch gibt.